Die Arbeit in der Oswald-Berkhan-Schule – Förderschule Schwerpunkt Geistige Entwicklung

Alle pädagogische Arbeit in der Oswald-Berkhan-Schule wird an den Förderungsbedürfnissen des einzelnen Schülers oder der einzelnen Schülerin und an den Möglichkeiten der Gruppe ausgerichtet. Es gehört zu den Grundprinzipien der Arbeit in der OBS:

  • Ziele und Lernanforderungen immer zu überdenken, neu zu informieren, in andere Zusammenhänge zu stellen und den Fortschritten der Schülerin und des Schülers entsprechend zu erweitern oder zurückzustecken
  • Unterricht so zu planen und zu gestalten, dass in vielfältigen Lern- und Übungssituationen individuelle „Nahziele“ erreicht und übergeordnete Ziele im Auge behalten werden
  • Förder- und Arbeitspläne aufzustellen, in denen der Entwicklungs- und Lernstand des einzelnen Schülers beziehungsweise der einzelnen Schülerin ebenso berücksichtigt wird wie die Notwendigkeit des Lernens und Lebens in der Gruppe, sind doch die Mitschüler neben der Familie die wesentliche und oft die einzige Bezugsgruppe.
  • das Miteinander im Rahmen von Unterricht und Schulleben so zu gestalten, dass es allen Schülerinnen und Schülern ermöglicht wird, soziale Erfahrungen zu sammeln, eine eigene Persönlichkeit zu entfalten, ein Selbstwertgefühl aufzubauen und Identität zu gewinnen.

Mit dieser Konzeption unterscheidet sich die Förderschule Schwerpunkt Geistige Entwicklung wesentlich von anderen Schulformen. Die Arbeit kann daher auch nicht von einem mehr oder weniger starren Lehrplan bestimmt sein, dessen Ziele zu einem vorgeschriebenen Zeitpunkt – z. B. als Voraussetzung für eine Versetzung in die nächsthöhere Klasse – erreicht sein müssen. Jedoch sind die Lehrkräfte gehalten, sich bei der Planung ihres Unterrichts an den grundlegenden Vorgaben des schuleigenen Arbeitsplanes, des Kerncurriculums für den Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung (Klasse 1 – 9) bzw. der Rahmenrichtlinien der Sekundarstufe II (Klasse 10 – 12) zu orientieren und die Inhalte im Hinblick auf die Gegebenheiten der eigenen Lerngruppe auszuwählen.

Kerncurriculum für den Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung

Das Kerncurriculum für den Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung bezieht sich auf die Jahrgänge 1-9, d.h. die Primar- und Sekundarstufe I und ist in sieben Fachbereiche untergliedert:

  • Kommunikation / Deutsch
  • Mathematik
  • Sachunterricht.
  • Bewegung und Sport
  • Musik
  • Hauswirtschaft
  • Gestalten

(Für evangelische und katholische Religion gelten eigene Rahmenrichtlinien.)

Unterricht wird fachbereichsbezogen und fachbereichsübergreifend gestaltet. Er findet statt in Erlebnis- und Handlungseinheiten, Vorhaben, Projekten, Kursen, Lehrgängen oder Arbeitsgemeinschaften.

Um die unterschiedlichen Bedürfnisse und Entwicklungsmöglichkeiten der Schülerinnen und Schüler berücksichtigen zu können, sind Aspekte der Individualisierung, der Lebensbedeutsamkeit und der Handlungsorientierung bei der Unterrichtsplanung grundlegend.

Vorrangige Berücksichtigung bei der Unterrichtplanung finden lebenspraktische Aspekte, die einen spezifischen Bereich im Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung darstellen. Zu diesen Aktivitäten, die Schülerinnen und Schüler ausüben, um den (All-)Tag zu bewältigen, gehören:

  • Kommunizieren
  • Sich bewegen / Mobilität
  • Vitale Funktionen des Lebens aufrecht erhalten
  • Sich pflegen
  • Essen und Trinken
  • Ausscheiden
  • Sich kleiden
  • Ruhen und schlafen
  • Spielen
  • Geschlechterrollen und sexuelle Identität entwickeln
  • Für eine sichere Umgebung sorgen
  • An sozialen Bereichen des Lebens teilhaben (z.B. Wohnen, Freizeit, Öffentlichkeit)
  • Soziale Beziehungen entwickeln
  • Mit existenziellen Erfahrungen des Lebens umgehen

Die Förderung dieser lebenspraktischen Aktivitäten wird von den Lehrkräften als interdisziplinäre Aufgabe in allen Fachbereichen koordiniert.

Kompetenzen, die der Alltags- und Lebensbewältigung dienen, bedürfen der Förderung und Entwicklung durch pädagogische Maßnahmen ebenso wie durch medizinisch-therapeutische, pflegerische, technische, psychologische und soziale Unterstützung. Dies gilt im besonderen Maße bei Schülerinnen und Schülern, die aufgrund der Schwere ihrer Beeinträchtigung auf umfängliche Hilfen angewiesen sind.

Die Oswald-Berkhan-Schule entwickelt in Fachbereichskonferenzen unter Beachtung der rechtlichen Grundlagen und der fachbereichsbezogenen Vorgaben des Kerncurriculums einen schuleigenen Arbeits- und Verteilungsplan, der die Inhalte stufenbezogen und unter Berücksichtigung regionaler Gegebenheiten festlegt.

Die ergänzenden Richtlinien für die Arbeit in der Sekundarstufe II sind mit der Einführung dieser Schulstufe 1994 erschienen. Es ist damit zu rechnen, dass sie in einigen Jahren von einem neuen Kerncurriculum abgelöst werden.

Jeder Schüler oder jede Schülerin durchläuft, unabhängig vom Grad und der Schwere der Behinderung, im Laufe der Schulzeit jede Schulstufe – von der Primarstufe über Sekundarstufe I zur Sekundarstufe II.

Richtlinien der Förderschule Schwerpunkt Geistige Entwicklung für die Sekundarstufe II

Die Richtlinien wurden 2016 durch das neue Kerncurriculum für die Sekundarstufe II ersetzt.
Zur Zeit erfolgt die Anpassung der schuleigenen Lehrpläne. Nach Abschluss dieser Phase wird diese Seite dann aktualisiert.
Das folgende ist nicht mehr aktuell, gibt aber dennoch einen Überblick über die Arbeit in der Sekundarstufe II.

Die Aufgaben und Ziele der Sekundarstufe II sind hier wie folgt beschrieben: Aus der Brückenfunktion zwischen Kindheit und Erwachsenenleben kommt der pädagogischen Arbeit in der Sekundarstufe II die Aufgabe zu, Jugendliche mit geistiger Behinderung auf ihr Leben als Erwachsene vorzubereiten. Erziehung und Unterricht in der Sekundarstufe II zielen auf die Entwicklung der Gesamtpersönlichkeit der Schülerinnen und Schüler, indem

  • die Bildungsbemühungen der vorangegangenen Schulstufen fortgesetzt und ergänzt werden
  • das Hineinwachsen der Jugendlichen in die Erwachsenenwelt unterstützt wird
  • die Jugendlichen auf die Lebenssituation vorbereitet werden, in die sie als handelnde und erlebende Erwachsene gestellt werden
  • durch das Angebot einer breit angelegten vorberuflichen Bildung (ohne Bindung an bestimmte Berufsfelder) auf die Arbeitswelt vorbereitet wird.

Die Jugendlichen sollen ihren individuellen Möglichkeiten entsprechend befähigt werden,

  • sich in ihrem Leben selbst zu verwirklichen und Lebensfreude und Bestätigung zu empfinden
  • sich allmählich von der Familie zu lösen und in einer den eigenen Möglichkeiten entsprechenden Wohnform zu leben
  • freie Zeit nach eigenen Bedürfnissen zu gestalten, Freizeit- und Erholungsangebote auszuwählen und zu nutzen
  • einen Arbeits- und Beschäftigungsplatz einzunehmen und dabei persönliche Befriedigung zu erfahren
  • sich in der Öffentlichkeit zu orientieren, zu bewegen und öffentliche Einrichtungen in Anspruch zu nehmen
  • sich gegenüber der natürlichen Umwelt verantwortungsbewusst und wertschätzend zu verhalten.

Erziehung und Unterricht in der Sekundarstufe II sollen den Schülerinnen und Schülern helfen, erwachsen zu werden und ein sinnerfülltes Leben in möglichst weitgehender Selbständigkeit führen zu können.Der Bildungsauftrag der Sekundarstufe II ist am besten in vertrauensvoller Zusammenarbeit zwischen Elternhaus und Schule zu erfüllen, um den Prozess des Erwachsenwerdens der Heranwachsenden aktiv zu unterstützen.Der Besuch der Sekundarstufe II ersetzt weder den Berufsschulunterricht noch die beruflichen Fördermaßnahmen der Werkstatt für Behinderte oder anderer Einrichtungen. Die Sekundarstufe II bereitet auf das Arbeitsleben als einem wesentlichen Aspekt des Erwachsenenlebens vor, nicht aber auf einen bestimmten Beruf oder Arbeitsplatz. Bei der praktischen Umsetzung der breit gefächerten Unterrichtsziele dieser Rahmenrichtlinien wird die Kooperation mit anderen schulischen oder außerschulischen Einrichtungen grundsätzlich als sinnvoll und wünschenswert erachtet. Für die Sekundarstufe II ergibt sich aus den oben formulierten Aufgaben und Zielen die Notwendigkeit einer erwachsenengemäßen Pädagogik, diese muss den Heranwachsenden eine klare und eindeutige Orientierungshilfe geben. Die Lernziele für diese Stufe sind sechs lebensorientierten Lernbereichen zugeordnet:

  • Ich-Erfahrung
  • Wohnen
  • Freizeit
  • Arbeit und Beruf
  • Öffentlichkeit

Umwelt und UmweltschutzAus grundsätzlichen Erwägungen ist der Rahmen, der für die Arbeit in der Förderschule Schwerpunkt Geistige Entwicklung durch die Richtlinien vorgegeben ist, recht weit gesteckt. Jede Schule hat den Auftrag, diesen Rahmen den eigenen Bedingungen gemäß auszufüllen. „Der Schule“, d. h. den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, ist bewusst viel Spielraum gelassen worden, an den Bedürfnissen und Möglichkeiten der Schülerinnen und Schüler orientiert Unterricht zu planen und durchzuführen, Schwerpunkte zu setzen und Schulleben zu gestalten.

Stand: 27.11.2017